Körperkult

Hilfe, mein Kind möchte ein Tattoo!

Wer im Sommer in öffentlichen Verkehrsmitteln um sich schaut, ahnt: Es gibt kaum noch jemanden in der Altersgruppe der 20- bis 40jährigen, bei dem oder der kein Tattoo unter der Kleidung hervor blitzt.

Tattoos sind Geschmackssache und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Am liebsten schmückt frau Schulterblatt oder Knöchel, man lässt gern Oberarm oder Wade verzieren. Auch die Motive sind oft geschlechtspezifisch. Frauen tragen gern Rosen, Ranken und chinesische Schriftzeichen, Männer unterstreichen ihre Männlichkeit gern durch großflächige Tribal-Motive und zwar insbesondere an knochennahen Stellen, wie dem Ellenbogen, wo das Stechen besonders wehtut. Von dieser Mode bleiben auch Teenager nicht unbeeindruckt. 


Minderjährige brauchen eine Erlaubnis der Eltern

Minderjährige brauchen das schriftliche Einverständnis der Erziehungsberechtigten, um sich tätowieren lassen zu können. Diese Gelegenheit kann man als Eltern zum Gespräch nutzen. Wichtig ist, dass man seinem Kind mit seinen Wünschen richtig zuhört und es annimmt. Idealerweise entsteht durch ein solches Gespräch eine vertrauensvolle Atmosphäre, in der dann möglichst sachlich Für und Wider des Vorhabens angesprochen werden können. 


Was veranlasst mein Kind, sich ein Tattoo stechen zu lassen?

Vor allem sollte man versuchen, den Beweggründen nachzuspüren. Ist es der Gruppenzwang, der mein Kind zu diesem Schritt veranlasst? Verspricht es sich mehr Coolness und Anerkennung durch ein Tattoo? Das wären ausgesprochen schlechte Gründe. Ein schwaches Selbstbewusstsein lässt sich durch ein Tattoo nicht aufpolieren und wenn sich die Referenzgruppe des Kindes ändert, können sich auch angesagte Tattoomotive und die Einstellung zu Tattoos überhaupt schlagartig ändern. Ein Tattoo lässt sich nicht so schnell entfernen.


Schadensbegrenzung durch Diplomatie 

Es empfiehlt sich ab einem individuell festzulegenden Alter des Teenagers sich als Eltern kompromissbereit zu zeigen. In einem vertrauensvollen Gespräch kann man dann sanft Einfluss ausüben und damit eventuell erreichen, dass ein dezentes Motiv auf eine Körperstelle aufgebracht wird, die sich leicht vor künftigen Arbeitgebern kaschieren lässt. Ansonsten läuft man unter Umständen Gefahr, dass das schriftliche Einverständnis in wilder Entschlossenheit gefälscht wird. Und erfahrungsgemäß fallen Tattoos, die in aller Heimlichkeit als Protestaktion gestochen werden, immer größer und provokativer aus als andere und entzünden sich auch schneller. 


Die richtige Wahl des Tattoo-Studios

Hat man erstmal eine Gesprächs- und Vertrauensbasis zu seinem Kind hergestellt, kann man evtl. auch positiven Einfluss auf die Wahl des Tattoo-Studios ausüben. Dieses sollte Referenzen aufweisen; der Tätowierer sollte im Vorabgespräch alle Fragen fachkundig beantworten und vernünftig beraten und die Hygieneregeln sollten eingehalten werden: Der Tätowierraum sollte sauber sein. Die zu tätowierende Körperstelle muss mit einem Desinfektionsmittel gereinigt werden. Frische Einweghandschuhe müssen verwendet werden, ebenso sterilisierte, verpackte Nadeln. Die Maschine sollte mit einer Plastiktüte abgedeckt sein. 


Risiken und Konsequenzen ansprechen

Dennoch bleibt immer ein Restrisiko, dass sich das Tattoo entzündet, über das man mit seinem Kind sprechen sollte. Eine Google-Bildersuche nach entzündeten Tattoos kann das Thema illustrieren. Wichtig ist, dass sich das Kind über alle Konsequenzen im Klaren ist. Auch die langwierige Tattoo-Entfernung, die mehrere tausend Euro verschlingen kann, sollte thematisiert werden. 


Welche Körperstelle und welches Motiv?

Auch bei der Wahl von Motiv und Körperstelle sollte man gut überlegen. Ein Mädchen sollte bedenken, dass ein Tattoo in der Leiste bei einer späteren Schwangerschaft hässlich verzerrt werden könnte. Tätowierungen in der Lendengegend können zum Hindernis für Rückenmarksanästhesien werden, z.B. für die PDA (Periduralanästhesie) bei der Geburt. 

Bei dem Motiv sollte man zu bedenken geben, das man es auch noch in höherem Alter ungeniert tragen können sollte. Überhaupt gilt es zu bedenken, dass Tattoos meist am besten auf junger Haut wirken. In einem ruhigen Gespräch lassen sich so unter Umständen Absprachen treffen, mit denen beide Parteien zufrieden sind. 

Annika Misina

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