Suchtprävention

Wie schütze ich mein Kind vor Alkoholexzessen?

Alkohol ist allgegenwärtig. Und er spielt eine Rolle im Leben immer jüngerer Kinder und Jugendlicher. Im folgenden Artikel lesen Sie, wie Ihr Kind einen vernünftigen Umgang mit Alkohol erlernen kann.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mussten im Jahr 2008 25.700 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren aufgrund einer Alkoholvergiftung stationär im Krankenhaus behandelt werden. Besondere Sorge bereiten die jüngeren Kinder im Alter bis 15 Jahren. Hier stieg die Anzahl der Alkoholvergiftungen im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent an. Bundesweit kennt ein Fünftel der Jugendlichen beim „Saufen“ kaum Grenzen. 


Komasaufen und seine möglichen Ursachen

Diese Zahlen sind alarmierend. Deutschland hat ein Alkoholproblem, das immer jüngere Kinder betrifft. Die Ursachen für Alkoholmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Zu nennen wären beispielsweise familiäre oder schulische Probleme, Ausgrenzung, Leistungsdruck, fehlende berufliche Perspektive in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. 


Nicht zu unterschätzen: Gruppenzwang

Vor diesem Hintergrund bieten Rauschmittel eine scheinbare Entlastung. Oder es wird Alkohol getrunken, weil man cool und erwachsen sein möchte. Oft spielt auch Gruppenzwang eine Rolle. Mit Beginn der Pubertät ist es vor allem die Peergroup, die Einfluss auf den Konsum von Rauschmitteln hat. Je früher der Konsumeinstieg, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Sucht zum lebenslangen Begleiter wird. Daher sollten präventive Maßnahmen möglichst früh einsetzen.


Kompetenz vermitteln anstatt einfach verbieten

Alkohol-Präventionsprogramme gibt es viele. Eins möchten wir Ihnen nachfolgend vorstellen. Zuerst soll es jedoch darum gehen, was bereits im familiären Rahmen geschehen kann, um Ihrem Kind den richtigen Gebrauch von Alkohol beizubringen. In der Präventionsarbeit ist man sich mittlerweile einig, dass bloße Verbote ihre Wirkung verfehlen. Vielmehr muss der richtige Gebrauch mit der allgegenwärtigen Gesellschaftsdroge Alkohol geübt werden. So ist „Kenn Dein Limit“ auch das Motto der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. 


Wie kann man als Eltern die richtigen Weichen stellen?

Zuallererst müssen die Eltern Vorbilder im verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol sein. Eventuelle Exzesse des Kindes dürfen keinesfalls positiv verstärkt werden, z.B. indem man sich darüber lustig macht, sie belächelt oder ihnen zu viel Beachtung schenkt. 
Wichtig ist, eine Gesprächsbasis zu schaffen. Dazu gehört, dass man sich tatsächlich für die Belange des Kindes interessiert und ihm offen und unvoreingenommen entgegen tritt. Junge Menschen reagieren sehr sensibel darauf. Kinder und Jugendliche sind meist gut informiert. Informieren auch Sie sich über die Wirkungen und rechtlichen Regelungen des Alkoholkonsums. Animieren Sie Ihr Kind, Sport zu treiben, wecken Sie seine Kreativität. Unternehmen Sie Familienausflüge und haben sie zusammen Spaß! Laut einer Untersuchung der BZgA ist ein positives Familienklima ein starker Schutzfaktor vor Alkoholmissbrauch.


„Lieber schlau als blau“


Das Präventionsprogramm „Lieber schlau als blau“ im Land Brandenburg war in der Vergangenheit immer wieder Zentrum des Medieninteresses. Durch das staatlich geförderte Programm sollen seit Ende 2008 Schüler durch ein kontrolliertes Trinkexperiment während des Schulunterrichts einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol erlernen. Mit Zustimmung der Eltern trinken Jugendliche ab 16 Jahren kontrollierte Mengen Alkohol und beobachten dessen Wirkung anhand von Tests, die z.B. die Konzentrationsfähigkeit zum Gegenstand haben. Zum Trinkexperiment gehören eine sorgfältige Vor- und Nachbearbeitung. Ziel ist, dass Jugendliche in einem geschützten Umfeld die Wirkung von Alkohol kennen lernen und Strategien für einen sinnvollen Umgang mit Alkohol erlernen. 

Das Konzept „Kompetenz statt Abschreckung“ soll nun auch durch Psychologen der Universität Münster erforscht werden. Zur Zeit werden Jugendliche im Alter von 14 bis 16 Jahren gesucht, an denen untersucht werden soll, wie junge Leute den richtigen Gebrauch von Alkohol am besten lernen.

Annika Misina

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