Frühgeburt

Wenn das Baby es eilig hat

Plötzlich geht alles schneller als gedacht. Wochen vor dem eigentlichen Termin setzen die Wehen ein und ein Baby kommt zur Welt, das nicht einmal 1000 Gramm wiegt. Mit einer Frühgeburt beginnt für die Eltern eine Zeit zwischen Hoffen und Bangen.

Die Frühgeburtenrate in Deutschland steigt immer weiter an und wird nach Angaben der Ärzte Zeitung auf jährlich 63.000 Kinder beziffert. Das sind sieben Prozent der aller Geburten. Davon erblickten circa 12.000 vor der 32. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt. Doch was ist eigentlich eine Frühgeburt?

Normalerweise dauert eine Schwangerschaft rund 40 Wochen. Bis zu diesem Zeitpunkt ist das Kind vollständig entwickelt. Zu früh geborene Kinder hingegen, kommen vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Dadurch können einige Organe noch nicht vollständig entwickelt sein und ihr Gewicht, sowie die Körpergröße unterscheiden sich auch von denen, die später geboren wurden.

Daraus ergibt sich ein gewisses Gefahrenpotential für die Neugeborenen. Dank der medizinischen Entwicklung können heutzutage jedoch selbst 24-wöchige Babys gerettet werden und besitzen eine Überlebenschance.


Spätschäden können nicht ausgeschlossen werden

Doch selbst mit der modernen Medizin können einige Schäden nicht ausgeschlossen werden. Auf Grund der Unvollständigkeit der Organe, können Störungen bei dem Kind auftreten. Besonders die Lunge ist meist noch nicht vollständig entwickelt, da sie noch keine größeren Mengen Surfactant bildet.

Die Substanz verhindert das Zusammenkleben der Lungenbläschen bei der Atmung. Ohne dieses kann es zu einem Atemnotsyndrom kommen. Viele Frühchen werden daher nach der Geburt gleich im Brutkasten beatmet.

Besonders häufig ist auch die Retinopathia Praematurorum, eine Netzhauterkrankung, die durch unreife Netzhautgefäße entsteht. Die hochempfindliche Netzhaut kann zu Blutungen neigen, welche eine Erblindung des Kindes zur Folge hat. Bei rechtzeitiger Erkennung können diese Blutungen jedoch, mit Hilfe von Laser oder Kälte, unterbunden werden.

Weitere Komplikationen wäre die mangelnde Entwicklung der Niere, die zur Elektrolytstörung führen kann oder Probleme bei der Temperaturregulation, sowie Infektionen.

Zusätzlich können Spätschäden, wie Körperbehinderungen oder kognitive Schwächen auftreten. Untersuchungen bestätigen, dass Frühgeborene anfälliger sind für Lernbehinderungen und psychische Störungen, sowie Asthma. Nach einer US-Studie der Universität Duke in Durham, hat sich die Frühzeitigkeit der Geburt zudem Auswirkungen auf den Intelligenzquotienten. Je früher ein Baby zur Welt kam, umso niedriger war dieser.


Anzeichen

Ein unverkennbares Anzeichen ist natürlich das Einsetzen der Wehen, das unter anderem auch von einem Ziehen im Rücken begleitet werden kann. Allerdings sind Wehen ab der 28. Schwangersschaftswoche, die ab und zu auftreten fast normal. Erst wenn sie sich regelmäßig circa drei bis viermal die Stunde ereignen, stellen sie ein sicheres Zeichen einer Frühgeburt dar.

Einige Mütter berichteten auch über eine spürbare Senktätigkeit des Kindes. Eingehend mit  Rückenschmerzen, treten vereinzelt menstruationsartige Unterleibskämpfe auf oder ein geöffneter Muttermund.

Zusätzlich sind Blutungen oder ein Blasensprung bemerkbar. Solle eines dieser Zeichen eintreten, sollten Sie schnellstmöglich Ihren Frauenarzt kontaktieren.


Ursachen von Frühgeburten

Ebenso mannigfaltig wie die Anzeichen, können auch die Ursachen sein. Oft liegen sie im Verborgenen und können nur erahnt werden.
Bewiesen ist jedoch die schädliche Beeinflussung von Nikotin auf die Schwangerschaft. Eine schlechte Ernährung, körperliche Belastungen oder niedriges Körpergewicht der Mutter wirken sich schädlich auf das Neugeborene aus und führen, unter Umständen, zu einer Frühgeburt.

Das Alter der Mutter kann die Zeit der Schwangerschaft ebenso beeinflussen. Risikopotentiale besitzen daher Mütter die jünger als 18 Jahren oder älter als 30 Jahre sind.

Die häufigste Ursachen stellen jedoch Fruchtwasserinfektionen dar. Sie können durch Geschlechtskrankheiten entstehen, die manchmal zu spät erkannt werden. Jetzt gibt es jedoch eine neue Technik, die es der Frau ermöglicht, selbst eine vaginal pH-Selbstmessung durchzuführen und Störungen des Säuregehaltes früh genug zu erkennen.

Ein Messhandschuh lässt einfach und schnell selbst Untersuchungen durchführen, die die Frau dann anhand der Beschreibung deuten kann. Bei niedrigem Säuregehalt, sollte dann schnell der Frauenarzt aufgesucht werden. Ein solcher Handschuh ist natürlich kein Arztersatz.


Vorbeugungsmaßnahmen

Auf Grund der Ursachen lassen sich leicht Vorbeugungsmaßnahmen ableiten: Kein Nikotinkonsum, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Besuche beim Frauenarzt können das Risiko schon lindern. Wichtig ist vor allem Ruhe, daher ist ein Arbeiten bis kurz vor der Entbindung auf keinen Fall zu ratsam.

Sollte bereits eine Frühgeburt drohen, sind ärztliche Maßnahmen notwendig, um das Kind auf die kommende Geburt sorgsam vorzubereiten. Beispielsweise wird der Mutter Medikamente injiziert, die die Surfactantsbildung der Lunge des Kindes unterstützten sollen.

Bei einer Frühgeburt vor der 32. Schwangerschaftswoche entscheiden sich die Ärzte zudem für einen Kaiserschnitt, da dieser sicherer für das Kind ist. Öfters hilft auch die Verabreichung von Wehenhemmern oder Magnesiumgaben, die die Wehen stoppen sollen.

Steffi Rehfeld

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